An einem schlechten Tag …

… hätte meine Tischkante jetzt neue Beißspuren. Gottseidank ist heute ein guter Tag. Deshalb kann ich diesen Drang elegant in einen sarkastischen Blogpost kanalisieren.

Da bekommt doch meine minderjährige Tochter in unregelmäßigen Abständen Werbebriefe von einem aufdringlichen, großen Telekommunikationsunternehmen, die ihr unbedingt einen Glasfaseranschluss aufschwätzen wollen. Und das noch in einer Aufmachung, die einem „offiziellen“ Schreiben nachempfunden ist. Die Adresse stammt offensichtlich von irgendeinem dubiosen Adresshändler, da der Name zusätzlich auch noch fehlerhaft ist. Diese freche Vorgehensweise und die Tatsache, dass wir bereits einen solchen Anschluss von einem andern großen, nicht ganz so aufdringlichen, andersfarbigen Telekommunikationsunternehmen besitzen, hat mich dazu bewogen, dem Kundendienst der Briefeschreiber mitzuteilen, dass wir keine weiteren Anschreiben wünschen. Insbesondere nicht an minderjährige Haushaltsangehörige. Meine Worte ließen an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Hiermit widerspreche ich jeglicher postalischer Werbung durch Sie an die o.g. Adresse. Dies gilt für alle Mitglieder der Familie Sann unter dieser Anschrift. Ich bitte um kurze Bestätigung, dass die Werbesperre eingetragen wurde.

Die Antwort ließ, wie angekündigt, nur 36 Stunden auf sich warten.

Vielen Dank für Ihre Nachricht. Um Ihr Anliegen haben wir uns bereits gekümmert. Alle weiteren Informationen senden wir Ihnen per Post zu.

Aaargh … Tischkante, wo bist Du?!

Tea, Earl Grey, hot!

Es ist eine der klassischen Szenen aus Star Trek – The Next Generation: Captain Jean Luc Picard geht entspannt zum Replikator, sagt die magischen Worte: „Tea, Earl Grey, hot!“ und wie durch Zauberhand materialisiert sich dort eine dampfende Tasse heißen Tees.

So weit ist es bei uns leider noch nicht, aber nachdem mir mit iOS 10 auf meinem iPhone die „Home“ App ständig verführerisch zuzwinkerte, habe ich begonnen, mit dem Thema Heimautomatisierung zu spielen.

Weil ich mit den Produkten von Elgato, im übrigen ein deutscher Hersteller, bisher gute Erfahrungen gemacht habe, habe ich mir ein selbst zusammengestellte Starterpaket aus einem Raumsensor, einer schaltbaren Steckdose und einem Heizkörperthermostat besorgt. Die Einsatzgebiete für Sensor und Thermostat sind offensichtlich, für die Steckdose suche ich noch die geeignete Anwendung … aber haben musste ich sie schon einmal 😉

Da in unserem Haus ein Apple-Biotop gedeiht, ist HomeKit der Standard, den ich nutze. Die Eve-Reihe von Elgato unterstützt dieses Protokoll und die Kopplung der Geräte ist, ganz Apple-like, ein Traum gewesen. Einfach App starten, Gerät hinzufügen und entweder den Koppelcode eingeben, oder – Kinnlade fällt das erste Mal – mit der Kamera aufnehmen. Der Code steht im Klartext auf dem Gerät und wird von der Kamera in Sekunden erkannt. Bäm! Fertig. Gerät ist gekoppelt.

Die Steckdose und der Sensor wollten danach noch ein Firmware Update haben, was die Elgato App auch in wenigen Minuten erledigt hatte. Letztere klinkt sich übrigens schön in die HomeKit Umgebung ein, so dass Geräte, die mit der Home App gekoppelt wurden auch direkt in der Elgato App sichtbar sind. Elegant gemacht. Die weitere Konfiguration beschränkte sich darauf, einen Raum anzulegen („Wohnzimmer“) und ihm die Geräte zuzuweisen.

Die Heizperiode hat noch nicht ganz begonnen, daher ist das Heizkörperthermostat noch arbeitslos, aber als ich das erste Mal die magischen Worte: „Hey Siri, wie ist die Temperatur im Wohnzimmer?“ sage und nach wenigen Worten die Antwort bekam, fühlte ich mich schon ein wenig wie auf der Enterprise 🙂

Der Fernzugriff auf die eigene Infrastruktur geschieht mittels eines Apple TV (4. Generation) oder seit iOS 10 auch mittels eines iPads, das jedoch ständig an und mit dem Stromnetz verbunden sein muss. Die Einrichtung ist ebenfalls trivial, weil nicht nötig. Das Apple TV muss lediglich in der iCloud hängen, den Rest erledigen die Geräte selbst untereinander. Einzige Voraussetzung ist, dass die Zwei-Faktor-Authentifizierung für iCloud aktiviert ist, was ich für durchaus sinnvoll halte.

In den nächsten Wochen werde ich ein wenig mit den Geräten herumspielen und Zeitpläne und „Szenen“ ausprobieren. Von Elgato gibt es übrigens noch Sensoren für Fenster und Türen, jedoch habe ich für uns noch keine sinnvolle Anwendung dafür gefunden. Ich werde berichten.

 

Klagelied an IKEA

Liebe IKEA Produktdesigner und Qualitätshüter,

lasst mich Euch heute sagen, dass ihr in den letzten Jahren in Bezug auf Pax/Komplement leider gar keinen guten Job gemacht habt. Doch ich beginne lieber am Anfang …

Wir nutzen seit vielen Jahren Pax Schränke mit Komplement Schubladen. Meinen ersten Pax hatte ich sogar schon vor fast 20 Jahren und damals war ich, der bis dahin nur Billy Regale aufgebaut hatte, von der Stabilität und Qualität der Pax Korpusse begeistert. Auch die Inneneinrichtung mit Namen Komplement machte einen super Eindruck. Meine damalige Begeisterung war wohl nicht ausschließlich subjektiv, denn die Schränke von damals besitze ich heute noch und sie haben zwei Umzüge schadlos überstanden.

Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir im Geschäft für unser Lager Pax Korpusse mit Komplement Schubladen gewählt. Angefangen haben wir damit vor knapp 10 Jahren. Und unsere Erwartungshaltung wurde nicht enttäuscht. Die Korpusse waren von derselben guten Qualität, und erst die Schubladen … ich könnte direkt ins Schwärmen kommen. Solide, Echtholz, für die Ewigkeit gemacht. Und das Ganze zu einem richtig guten Preis. So lobe ich mir das.

Über die Jahre haben wir dann Stück für Stück immer mehr von den Schränken angeschafft – inzwischen sind es zehn Stück mit insgesamt 80 Schubladen. Und mit jedem Mal, wo wir die neuen Schränke aufgebaut haben, war ich ein wenig mehr enttäuscht. Gut, dass Ihr die eigentlich heute noch schönen Farben Buche und Kiefer aus dem Programm genommen habt, kann ich Euch nicht vorwerfen. Ist halt Geschmacksache. Auch damit, dass Ihr die Fronten der Schubladen geändert habt, so dass die Bretter nun höher sind, kann ich leben, auch wenn ich die alten schöner und praktischer fand.

Als Ihr dann das Echtholz durch Pressspan ersetzt habt, fing ich an zu zweifeln und heute, da der einzige Holzton, in dem es die Pax/Komplement Sachen noch gibt, ein Design ist, der angeblich weiß lasierter Eiche nahekommen soll, bin ich wirklich am Hadern. Versteht mich nicht falsch – es ist nicht die Farbe oder das Design, das mich umtreibt. Es ist die Qualität.

Als ich heute die nächste Fuhre Schränke und Schubladen aufgebaut habe, musste ich feststellen, dass das Furnier so empfindlich ist, dass man mit allem, was ein wenig härter ist als eine Handfläche ist, direkt Kratzer reinmacht. Die Ränder des Furniers sind unsauber verarbeitet, stehen teilweise über oder platzen gleich ab. Die Schubladen, die früher aus Echtholz waren, sind nur an den Seiten, die man sieht, furniert, der Rest ist trister, offener Pressspan. Und zu allem Überfluss war auch noch eines der Festdreh-Befestigungs-Dinger (wie heißen die eigentlich richtig?) so zermatscht, dass es nicht benutzbar war. Beim Transport kann es nicht passiert sein, weil die Beutelchen mit den Schrauben gut geschützt und das Paket von außen unversehrt war. Also muss es schon in der Fabrik passiert sein. Deswegen darf ich jetzt nochmal zum nächsten IKEA Geschäft fahren. Ärgerlich.

Früher war das nicht so. Früher war klar, dass Billy billig und dafür gepresster Pappdeckel ist, aber es gab auch gute Qualität bei IKEA – Pax/Komplement war ein leuchtendes Beispiel dafür. Heute ist es so, dass die Qualität der Komplement Schubladen gefühlt geringer ist als es Billy jemals war. Muss das wirklich sein? Geht billig-billig wirklich über alles? Ich selbst wäre gerne bereit mehr für meinen Pax zu bezahlen, wenn denn die Qualität dafür wieder stimmen würde. Denkt doch einmal darüber nach.

Liebe Grüße
Carsten

Da hat doch der Ägypter …

… tatsächlich dem Israeli den Handschlag verweigert. Während des olympischen Judoturniers. Nachdem er verloren hatte.

Die Wogen der sozialen Netzwerke schlagen hoch – Kapitän Schwandt, der mit seinen oft guten, manchmal jedoch überzogenen Kommentaren zu einem Facebook-Sternchen avanciert ist, erklärt die Szene schnell zur schlimmsten dieser Olympischen Spiele. Eieiei …

Ist der Ägypter ein schlechter Verlierer? Mit Sicherheit. Hat er Probleme mit Israelis? Wahrscheinlich. War das Verhalten unsportlich? In vielerlei Hinsicht schon, jedoch nicht im Sinne der Regularien.

Auch wenn der Ägypter vielleicht ein Depp ist, dann ist es vor dem Hintergrund der tatsächlichen Probleme dieser Olympischen Spiele – Doping, ökologische Themen, soziale Themen – schon etwas albern, wie Kapitän Schwandt eine lebenslange Sperre zu fordern. Das erinnert mich ein bisschen an die Meute aus Monty Python’s Leben des Brian: „Er hat Jehova gesagt!

Lasst doch bitte mal die Kirche im Dorf und kümmert Euch um die wirklich wichtigen Themen.

Der Weg zur Meisterschaft

IMG_0582Der Begriff „Meisterschaft“ im persönlichen Sinne kann sich auf viele verschiedene Bereiche beziehen – immer jedoch ist er erstrebenswert. Nachdem ich vor einigen Jahren wieder mit Judo, dem Sport meiner Kindheit, begonnen hatte, wurde für mich immer klarer, dass die „Meisterschaft“ im Judo – aka schwarzer Gürtel – etwas war, was ich für mich erreichen wollte.

Im Gegensatz zu Fußball und Konsorten ist Judo eine Einzelsportart. Ohne einen Partner, kann es jedoch nicht funktionieren. Ich schreibe diesen Beitrag zwar aus meiner persönlichen Sicht (weswegen statt dem „wir“ viel häufiger das „ich“ vorkommt), jedoch bin ich diesen Weg zu keinem Zeitpunkt alleine gegangen. Die Danksagungen kommen dann am Ende des Beitrags 😉

Nach mehr als 20 Jahren Pause, war der Einstieg nicht leicht. An der Freude am Judo mangelte es nach meinem Neubeginn nicht, wohl aber anfangs an Kraft, Kondition und Technik. Nach meinem allerersten Training konnte ich – und das meine ich nicht bildlich sondern wörtlich – kaum noch laufen, und meine Frau wird sich auf ewig an den Moment erinnern, als ich an diesem Abend mein Bierglas mit zwei Händen heben musste, weil es mit einer alleine einfach nicht ging 😉

Während der ersten Monate habe ich jedes Mal einige Tage benötigt, um mich von den Strapazen des Trainings zu erholen. Doch es war eine stetige Verbesserung zu erkennen. Angespornt von der fantastischen Gruppe, in der Jung und Alt zusammen trainieren, bin ich heute soweit, dass ich mit über 40 in Sachen Judo und Akrobatik Dinge tue, die ich als Jugendlicher nicht gekonnt habe … und auch das Laufen und das einhändige Bierglasheben nach dem Training klappt inzwischen wieder einwandfrei 🙂

Heute vor zwei Jahren habe ich dann, viel schneller als eigentlich gedacht, meine Prüfung zum Braungurt gemacht und bestanden: ein riesiger Motivationsschub. Nach knapp 25 Jahren in „blau“ (wenn auch die meiste Zeit nur passiv), endlich einen Schritt weiter.  Das nächste Ziel, der schwarze Gürtel, schien in realistische Nähe gerückt zu sein.

Manchmal fällt es einem im Nachhinein schwer, sich daran zu erinnern, welcher Teufel einen bei der einen oder anderen Entscheidung geritten hat. Wenn ich heute versuche, mich an den Moment zu erinnern, als ich mich entschloss, aktiv an die Vorbereitung zur Danprüfung zu gehen, dann weiß ich inzwischen, dass ich damals keine Ahnung davon hatte, worauf ich mich einlassen würde …

„Mal locker mit der Kata einsteigen“, das war meine Vorstellung. In Bayern hat man seit einigen Jahren die Möglichkeit, die Danprüfung aufzuteilen – Kata und Technik also zu trennen. In der DJK Aschaffenburg haben wir das große Privileg, mit Klaus Richter einen wahren Meister vor Ort zu haben, der außer seinem immensen Wissen und Können auch noch eine Liebe zum Judo mitbringt, die mich bei jedem Training aufs Neue inspiriert. Gepaart mit einer nahezu unerschöpflichen Geduld und dem perfekten Händchen, die Dinge so zu erklären, dass der andere sie auch verstehen kann, konnte und kann ich mir keinen besseren Trainer wünschen.

Die Nage-no-kata ist eine Übungsform, bei der es um die möglich exakte Ausführung einer Folge von 15 Wurftechniken geht. Ziel ist, es die verschiedenen Prinzipien zu verstehen und umzusetzen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich damals als Jugendlicher ein besonders tiefes Verständnis von Wurfprinzipien gehabt habe – und die über 20 Jahre Pause haben es sicher auch nicht besser gemacht. In der Zeit als wir uns die Kata unter Anleitung von Klaus erarbeitet haben, habe ich das sehr deutlich gespürt. Und gleichzeitig war es für mich sehr motivierend zu sehen, dass es mir zunehmend besser gelang, Techniken auszuführen, die ich noch Wochen zuvor für nahezu unmöglich gehalten hatte. Besonders zu Beginn ging ich oft durch ein Wechselbad der Gefühle zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit, je nachdem wie es im Training gelaufen war.

Während meiner Vorbereitungsphase für die Kata gelang es der DJK Judoabteilung, einer der zentralen bayerischen Danprüfung im Winter 2015 nach Aschaffenburg zu holen. Wenn es mir gelänge, bis dahin bereit zu sein, wäre es ein Heimspiel für mich. Zusätzlich würden die anderen Judoka aus der Trainingsgruppe auf jeden Fall im Dezember ihre Kataprüfung ablegen – insgesamt eine sehr kraftvolle Kombination aus Motivation und Druck.

Bis wenige Wochen vor der Prüfung war unklar, ob ich antreten würde oder nicht. Als sich dann jedoch abzeichnen zu begann, dass ich es hinbekommen würde, habe ich mein Herz in die Hand genommen und mich angemeldet. Die folgenden Wochen waren von intensivem und konzentriertem Training geprägt – teilweise fast täglich. Wenn ich beschreiben wollte, was in dieser Zeit und auch während der Prüfung in mir alles vorgegangen ist, würde ich wahrscheinlich ein ganzes Buch damit füllen. Deshalb beschränke ich mich darauf zu sagen, dass die komplette Trainingsgruppe, inklusive meiner Person, die Prüfung bestanden haben. Uff. Erster Teil geschafft.

Vom Deutschen Judobund, der für das Prüfungswesen zuständig ist, wird eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren für den 1. Dan vorgeschrieben. Als wir in der Gruppe im September 2015 mit der Vorbereitung begannen, waren für mich eineinviertel Jahre seit dem Braungurt vergangen. Nach der ersten Teilprüfung hatte ich insgesamt 12 Monate Zeit, den zweiten Teil abzulegen – das Zeitfenster dafür war also klar vorgegeben: Zwischen Juli und Dezember 2016 musste es über die Bühne gehen. In Bayern sind zweimal im Jahr Danprüfungen und eine Prüfung im Juli würde abermals in Aschaffenburg stattfinden. Damit war das Ziel gesteckt. Ohne Wenn und Aber.

Der Technikteil der Prüfung ist aus meiner Sicht gleichzeitig leichter und schwerer als die Kata. Einerseits lässt er mehr Raum, um Fehler selbst zu korrigieren, andererseits ist er jedoch um ein Vielfaches umfangreicher. Das habe ich spätestens dann gemerkt, als ich mit der Vorbereitung begann. Boden, Stand, Übungsformen, Spezialtechnik und Theorie, plus Vorkenntnisse aus allen Kyu-Graden … wenn man alles zusammenzählt kommt man auf an die 100 verschiede Aktionen, die man für die Prüfung beherrschen muss. Einen Teil davon hatte ich bereits parat, ein anderer Teil lag verstaubt von früher irgendwo im (Muskel-) Gedächtnis und manches war für mich auch vollkommen neu.

Im Januar haben wir in der Gruppe dann aktiv mit der Vorbereitung begonnen. In seiner unendlichen Weisheit hat Klaus darauf bestanden, dass wir uns die Techniken, die wir in der Prüfung demonstrieren würden, weitestgehend selbst erarbeiten. Für mich war das aufgrund meiner 20-jährigen Abstinenz durchaus eine Herausforderung. Mich intuitiv richtig zu bewegen und der Instinkt für den rechten Moment waren mir in vielen Bereichen abhanden gekommen. Mit Hilfe meines Ukes und der anderen Mitglieder der Trainingsgruppe gelang es mir jedoch, ein Programm zusammenzustellen, das für mich funktionieren würde. Ich denke, ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass ich im letzten halben Jahr mehr über Judo gelernt habe, als während den acht Jahren meiner aktiven Zeit als Jugendlicher.

Auch die Vorbereitung auf die Technikprüfung war zwischendurch eine emotionale Achterbahn – einige Wochen vor der Prüfung kam für mich jedoch der Moment, an dem ich das Gefühl bekam, gut vorbereitet zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich gut daran tue, ab diesem Punkt konzentriert weiter zu arbeiten, denn zwischen dem „Gefühl“ gut vorbereitet zu sein und dem Moment, an dem man es tatsächlich ist, liegt noch einiges an Schweiß 😉  Die letzten Wochen vor der Prüfung waren also von intensivem Training geprägt, so dass mir die Techniken irgendwann begannen aus den Ohren zu kommen und ich teilweise mit dem Gefühl auf die Matte ging: „Wenn ich das Bodenprogramm jetzt noch ein einziges Mal durchnudeln muss, dann kotze ich …“ Ab diesem Zeitpunkt wusste ich dann, dass ich tatsächlich bereit für die Prüfung war 🙂

Am 16. Juli 2016 war es dann soweit – Prüfungstag. Nach netto etwa einer Stunde Prüfung mit Pausen und einer Gesamtdauer von sechs Stunden war es schließlich geschafft. Wieder hat die gesamte Trainingsgruppe bestanden, und das nicht nur einfach so – es wurde von allen Prüfern hervorgehoben, dass Klaus uns richtig gut vorbereitet hat. Beim direkt anschließenden Sommerfest der DJK Judoabteilung (geniales Timing!) haben wir es dann ordentlich krachen lassen. Was für ein Tag – was für ein Abend!

Nun sitze ich also hier und habe einen schwarzen Gürtel vor mir liegen. Mein gestecktes Ziel habe ich erreicht – und gleichzeitig ist es für mich ein neuer Beginn. Als frischgebackener Träger eines Meistergrades bin ich mir sicher, dass letztlich von der vollen Bandbreite des Judo noch kaum eine Ahnung habe. Aber das ist für mich nur umso mehr die Motivation an diesem bedauerlichen Zustand etwas zu ändern 🙂

Mein Dank gilt heute den Judoka der DJK Aschaffenburg – was für eine geile Truppe. Ein großer Teil der Freude am Judo, die ich nach all den Jahren wiedergefunden habe, geht auf Euer Konto. Ich danke Andrea dafür, dass wir den Weg vom Judo-Legastheniker zum (hoffentlich irgendwann) wahren Judo-Meister gemeinsam gehen. Mein Dank geht insbesondere an Jonas, meinen Uke, von dem ich viel lernen konnte und der trotz seines jugendlichen Alters auch dann mit mir altem Sack Geduld hatte, wenn ich mal wieder länger gebraucht habe, um eine Technik auf die Reihe zu kriegen. Ich danke Detlef, für seine unglaubliche Fähigkeit, aus all den jungen und alten Chaoten ein Team zu schmieden und natürlich Klaus, meinen Judo-Gott 😉

Brexit: Der große Katalysator

Als ich heute morgen im Radio die Nachricht gehört habe, dass die Mehrheit der Briten tatsächlich dafür gestimmt hat, die EU zu verlassen, war ich erstmal wie betäubt. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Vernunft siegen würde. Manchmal ist es jedoch so, dass es einschneidende Ereignisse braucht, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen, die letztlich zum Positiven führt.

Über die EU kann man viel schimpfen. Sie besteht aus einem Haufen Bürokraten, die nichts Besseres zu tun haben, als Glühbirnen zu verbieten und zweimal im Jahr mit Sack und Pack von der einen Stadt in die andere Stadt umzuziehen und damit Millionen an Steuergeldern zu verprassen. Das ist zweifellos wahr – wer jedoch die Europäische Union auf ihre negativen Seiten reduziert, schießt am Thema vorbei. Für mich ist die EU vor allem eines: der Garant, dass es auf europäischem Boden nie wieder Krieg geben wird. Neben den völkerrechtlichen Auswirkungen der EU Verträge ist es vor allem die immense wirtschaftliche Verflechtung und die einheitliche Währung, die dafür sorgt, dass es undenkbar ist, dass die europäischen Staaten untereinander Krieg führen. Die EU ist eine direkte Konsequenz der Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg. Unsere Eltern und Großeltern haben ein europäisches Haus gebaut und es ist unsere Aufgabe, es stabil und in Schuss zu halten. Dafür bin ich gerne bereit, die Schattenseiten inkauf zu nehmen.

Der bevorstehende Austritt der Briten aus der EU stimmt mich einerseits sehr traurig, denn er ist ein Sieg der ewig Gestrigen, die mit Parolen wie „Ausländer raus“ den Prototypen der alten Energie repräsentieren. Andererseits fühlt sich der Brexit jedoch auch wie ein Katalysator an, der Beginn einer beschleunigten Entwicklung, die nur in eine Richtung führen kann: Den Zusammenbruch alter, verkrusteter politischer, gesellschaftlicher und finanzieller Systeme. Daraus erwachsen können neue Strukturen, die mehr dem entsprechen, wonach sich die Menschen sehnen – Transparenz, Ehrlichkeit, Integrität.

Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass die Veränderung ohne den großen Paukenschlag vonstatten gehen wird, doch wie es aussieht, haben wir diesen heute vernommen. Die nächsten Tage, Wochen und Monate werden sehr spannend. Es ist unsere Aufgabe, dabei stabil zu bleiben und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass die Strukturen, die in Bewegung geraten werden, sich zum Besseren verändern. Dabei hat jeder Mensch einen unterschiedlich großen Einflussbereich. Bei dem einen ist es „nur“ die eigene Familie, andere können als Berater, Therapeuten oder Geschäftsleute wie Multiplikatoren wirken und ein paar von uns sitzen recht nah an den Schalthebeln der Macht in Wirtschaft und Politik. Doch egal wie groß unsere Einflusssphäre ist – wichtig sind wir dabei alle. Es geht darum, jetzt in die richtige Richtung zu steuern anstatt in Panik und Weltuntergangsstimmung zu verfallen.

Normalerweise betätige ich mich nicht als Orakel, heute scheinen mir einige potenzielle Auswirkungen des Brexit jedoch so unvermeidlich, dass ich das Bedürfnis habe, sie niederzuschreiben. Die „Allwissende Müllhalde“ (wer kennt sie noch? 😉 ) spricht also:

Nordirland und Schottland haben klar pro EU abgestimmt und wollen ohnehin schon lange von Großbritannien unabhängig sein. Schon bevor der Brexit politisch vollzogen ist, wird das Vereinigte Königreich auf eine extreme Zerreißprobe gestellt, die damit enden wird, dass sich Schottland abspaltet und EU Mitglied wird, Nordirland könnte entweder dasselbe tun oder sich der Republik Irland anschließen.

Der Finanzplatz London wird in seinen Grundfesten erschüttert werden, was auch massive Auswirkungen auf die anderen Bankenzentren der Welt haben wird, vor allem Frankfurt, aber auch New York. Wir werden massive Veränderungen im Bereich der Großbanken und Investmentfirmen erleben. Die gesamte Branche, die ohnehin auf tönernen Füßen steht, wird so durchgeschüttelt, dass (bildlich gesprochen) aus den Ritzen des bis dato undurchdringlichen Asphalts, neue kleine Pflänzchen wachsen – alternative Optionen für den Umgang mit Geld, Immobilien und Werten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Geschichtsschreibung den 23. Juni 2016 irgendwann als den Tag ansehen wird, an dem eine große Veränderung ihren Anfang genommen hat. Ich selbst bin einerseits ein bisschen nervös, andererseits bin ich aber auch auf tiefster Ebene davon überzeugt, dass wir sicher sind und dass die Veränderung notwendig ist und in die richtige Richtung führen wird. Wenn wir alle Verantwortung für unser eigenes Leben, unser Wohlergehen und unser Glück übernehmen, dann kann die Welt nur besser werden.

Ausgefuchst

Da ist doch tatsächlich heute Nacht eine E-Mail in mein Postfach geflattert, die sich zwar als Spam herausgestellt hat, jedoch so verdammt gut gemacht war, dass ich quasi schon mit dem Finger auf der Maustaste war, um zu sehen, wie ich endlich mehr Geld verdienen kann. Diese Betrüger werden aber auch immer raffinierter …

Subject: Sie erhalten gefeuert !!

Hallo,

„Es tut mir leid, aber wir müssen Sie
bitten, dies zu stoppen“

Stellen Sie sich vor Ihrem Chef die gleiche morgen erzählen
..

Wenn Sie sich gerade
von jemandem verwendet werden, ist es Zeit, Ihr eigenes Gehalt zu beginnen
aufzubauen.

Sie
müssen einen anderen Weg zu gehen, wenn Sie nicht an der gleichen
Stelle in fünf Jahren geklebt werden wollen.

Diese Präsentation erklärt alles, was
Sie wissen müssen, Freiheit zu erreichen, ohne dabei einen
Cent.

Beginnen Sie, indem Sie HIER
klicken

Vielen Dank,

Alec

Neulich in Waldmichelbach

… da fliegt mir doch tatsächlich ein Spatz direkt vor das neue super-duper lichtstarke f/2.8 Teleobjektiv. Da habe ich mich nicht zweimal bitten lassen 😉

IMG_1886

Manchmal muss man Opfer bringen

Man sagt, dass es mitunter mit Leiden und Schmerz für die Eltern verbunden ist, wenn die Kinder aufwachsen und größer werden. Heute war so ein Tag …

Nachdem ich meine Kleine für die 5. Klasse in der neuen Schule angemeldet habe („größer werden“), waren wir zur Feier des Tages ausnahmsweise bei Fastfood Restaurant mit der Krone. Für mich seit Jahren mal wieder. Jetzt ist mir schlecht („Leiden und Schmerzen“).

Rettungsversuche mit einem frischen grünen Salat, Espresso und Averna waren leider nur teilweise erfolgreich. Was tut man nicht alles für seine Kinder (*örks*).

Über das Ziel hinausgeschossen

Spiegel Online betitelt heute einen Beitrag mit „Smoothies statt Notarzt: Eltern nach Tod des Sohnes vor Gericht„. Was ist passiert? In Kanada hat ein Paar seinen Sohn zweieinhalb Wochen lang ausschließlich mit alternativen Methoden behandelt, obwohl es ihm zusehend schlechter ging. Letztlich ist das Kind an einer Gehirnhautentzündung gestorben, die mit Antibiotika wahrscheinlich leicht hätte behandelt werden können.

Ich bin ein großer Freund der Naturheilkunde und ziehe sie im ersten Schritt jederzeit der Schulmedizin vor – aber man muss halt auch einsehen, es akute Situationen gibt, in denen es andere Mittel braucht. Die Naturheilkunde alleine ist – ebenso wie die Schulmedizin – nicht die Lösung für alle Probleme. Hier haben wir wieder einen Fall der nach Dogmatismus riecht. Und der ist immer falsch, egal in welche Richtung er geht.

Die Überschrift des Artikels finde ich jedoch unangemessen reißerisch. Wie immer, wenn es um Themen jenseits des Mainstreams geht, lässt sich SPON allzuleicht verführen, die journalistische Sachlichkeit schleifen zu lassen.